jM'.jt/t. Beiträge zur Lehre von der Eclampsie. ~^SJLcu E i n e m i t B e w i l l i g u n e d e i Hochverordneten Medicinischen Facultät der Kaiserl. Universität zu Dorpat zur Erlangung- des verfasste und zur öffentlichen Verteidigung bestimmte Abhandlung H t L 1 '/h ^ui G u s t a v O t t o , vgSSmtpigii Karländer. WM DORPAT 1866. G e d r u c k t b e i H e i n r i c h L a a k m a n n » Ak\*\ Vorwort . Gedruckt auf Verfügung der medicinischen Facultät. Dorp.t, den 15. Novbr. 186S. Dr. B»d. Bochheim Jahre lang ist die Eclampsie der Schwangeren und (Nr. 342. ) Z. Decan der med. Facultät. Gebärenden für ein Symptom des Morbus Briglitii gehalten und mit der Urämie identificirt worden •, letztere sah man aber nach Frerichs's Vorgang für eine Ammoniakintoxi- cation des Blutes an. In neuerer Zeit ist nun zunächst diese s. g. Frerichs'sehe Hypothese vielfach angegriffen worden, weiterhin wurde die ganze Lehre von der Intoxi- cation des Blutes durch Harnbestandtheile bestritten, und liiemit musste auch das Verhältniss zwischen Eclampsie und Morbus Briglitii ein anderes werden. Traube glaubt nämlich, dass die Urämie auf Gehirnödem und Gehirnanä­ mie beruhe, und diese Ansicht ist von Rosen st ein auch auf die Eclampsie übertragen worden. Münk hat sogar experimentell bewiesen, dass man durch künstliche Erzeu­ gung von Gehirnödem und Gehirnanämie den urämischen ähnliche Erscheinungen bewirken könne. Die Aufgabe, die ich mir bei vorliegender Arbeit stellte, war nun die, die Münk'sehen Experimente zu wiederholen und zu prüfen, ob sich nicht aus denselben 1* 4 vielleicht aucli Gesichtspunkte für die Pathogenese der Eclampsie entnehmen lassen. Diese Experimente wurden an Hunden angestellt. Es ist mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. F. Bidder meinen Dank öffentlich abzustatten für die Freundlichkeit, mit der er mich bei diesem Theile meiner Arbeit mit Wort und That unterstützt hat. Auch Herrn Prof. Buchheim und Dr. Schmiedeberg, welche I. Historischer Theil. die für die Beurtheilung meiner Versuche äusserst wichti­ gen Analysen der Blutgase zu übernehmen die Güte hatten, ie Erklärung der eclamptischen Anfälle während der fühle ich mich zu aufrichtigem Danke verpflichtet. Zum Geburt, der Schwangerschaft und des Wochenbetts, hat jeder­ Verständnisse des experimentellen Theils meiner Arbeit zeit grosse Schwierigkeiten bereitet. Dieselben wurden noch glaube ich aber eine Uebcrsicht der jüngsten Entwickelung dadurch vergrössert, dass man lange Zeit die hysterischen und und des gegenwärtigen Standpunktes der behandelten Frage epileptischen Krämpfe mit den eclamptischen zusammenwarf. vorausschicken zu müssen. Eine rationelle Pathogenese der Eclampsie wurde eigentlich zu­ erst von Frerichs versucht und seitdem ist die Eclampsiefrage bis heüte unausgesetzt discutirt worden. Frerichs1) weist zuerst auf die schon von Lever, dann von Devilliers und Regnauld gefundene Tliatsache hin, dass der Harn solcher Schwangern, welche späterhin an Eclampsie erkranken, fast immer Eiweiss und FaserstofFcylinder enthält, sowie auf die häufig bei jenen vorkommenden Oedeme. Diesen Befund sieht Frerichs als sichern Beweis eines während der Schwangerschaft zur Entwickelung gekommenen acuten Morbus Brightii an. Letzterer führe aber, ganz wie bei Nichtschwang­ eren, zur urämischen Intoxication, „welche unter dem Namen der Eclampsia parturientium schon längst bekannt sei". Be­ kanntlich erklärt Frerichs die Urämie durch die Umsetzung des beim Morbus Brightii im Blute retinirten Harnstoffs in koh­ lensaures Ammoniak, welche durch ein im Blute sich entwi­ ckelndes Ferment eingeleitet werde. Letzteres werde nicht 1) Die Briglit' sehe Nierenkrankheit, Braunschweig 1851, p. 24 u. f. 6 7 immer entwickelt; dann komme es trotz des vorhandenen Mor­ Gegen Beide ist Scanzoni1) aufgetreten. Derselbe be­ bus Brightii nicht zur Urämie und Eclampsie. Wenn es sich hauptet nämlich, dass bei den Obductionen an Eclampsie ver­ aber entwickele , sei der Ausbruch eclamptischer Anfälle un­ storbener Frauen nur selten die dem Morbus Brightii eigen- vermeidlich. „Die wahre Eclampsie — fährt Frerichs fort — thümliche Nierenveränderung gefunden worden sei. Er kritisirt tritt also nur bei den an Morbus Brightii leidenden Schwangeren darauf 13 Sectionsberichte, welche theils von Litzmann und auf, sie sieht zu dem letzteren in demselben Causalnexus, wie Braun veröffentlicht, theils von ihm selbst gesammelt worden die Convulsionen und das Conia zum,Morbus Brightii überhaupt, sind, und kann nur in 4 derselben in den Nieren die Zeichen sie ist das Resultat der urämischen Intoxication." Den Um­ der parenchymatösen Nephritis finden; viermal findet er Nie­ stand aber, dass sich der acute Morbus Brightii so häufig wäh­ renhyperämie, je einmal Spuren einer exsudativen Nephritis, rend der Schwangerschaft entwickele, erklärt Frerichs durch Oedem, Atrophie; einmal waren die Nieren gross, blass, die zwei Momente: die qualitative Veränderung des Bluts Schwang­ substantia corticalis weiss-gelblich gefärbt; einmal erschienen erer (Vermehrung des Wassers, des Faserstoffs und der farb­ sie etwas grösser, sonst normal. Die Fälle von Nierenhyperä­ losen Blutkörper, Verminderung des Eiweisses und der rothen mie erklärt Scanzoni theils für Leichenerscheinung, theils in Blutkörper) und die mechanische Behinderung des Blutkreis­ Folge der Convulsionen entstanden ; in den übrigen Fällen kann laufs im Abdomen derselben. Dass letztere von grosser Wich­ er die Zeichen des Morbus Brightii nicht erkennen. Es schliesst tigkeit sei, dafür spreche auch das so rasche Verschwinden des aber Scanzoni hieraus, dass Frerichs's Lehre von dem der Eiweisses und der Faserstoffcylinder aus dem Harn, wenn nach Eclampsie zu Grunde liegenden Morbus Brightii von anatomi­ geschehener Entbindung die Circulation in den Nierengefässen scher Seite nicht genügend unterstützt werde. wieder entlastet worden sei. Hiegegen wendet nun Litzmann 2) folgendes ein. Es Diese Ansicht Frerichs's über die Genese der Eclampsie lasse sich in vielen Fällen über den Grad und Umfang der wurde von Litz mann und Braun vertheidigt, während Scan- krankhaften Veränderung in den Nieren ohne Hilfe des Mikro­ zoni sie zu widerlegen suchte. skops kein sicheres Urtheil fällen ; es können sich daher in den Litzmann1) identifieirt ebenfalls Eclampsie mit Urämie. Fällen, wo keine mikroskopische Untersuchung stattfand, unter Ganz wie Frerichs hält auch er das kohlensaure Ammoniak der Bezeichnung Hyperämie, Atrophie, Oedem der Nieren im­ für das die Urämie Bewirkende. Nur den Fermentkörper lässt mer noch selbst vorgeschrittene Stadien des Morbus Brightii er fallen. Ein ebenso eifriger Vertheidiger Frerichs's ist verstecken. Es citirt Litzmann seinerseits 9 von Scanzoni Braun2). Auch er hält das Ammoniakcarbonat für das die übersehene Sectionsbefunde, welche für die Abhängigkeit der Eclampsie bedingende Agens ; aber auch die excrementiellen Eclampsie von einer parenchymatösen Nephritis sprechen. Einer Gallenstoffe, endlich auch die Extractivstoffe sollen sich im derselben ist von Braun, 4 von Devilliers und Regnauld, Blute anhäufen und Eclampsie erzeugen können. 1 von Simpson, 2 von Heck er, 1 von Lumpe beobachtet worden. Mit Litzmann stimmt Braun 3) ganz überein, indem 1) Deutsche Klinik 1852, n. 19 u. f. — 2) Chiari, Braun und 1) Klin. Vortr. über spec. Patliol. u. Ther. d. weibl. Geschl. Prag 1855, Bd. III pag. 440. — 2) Deutsche Klinik 1855, n. 29 u. 30. — 3) Späth, Klinik f. Geburtshilfe u. Gynäk. Erlangen 1855, pag. 249 u. f. — B r a u n , L e h r b . d . G e b u r t s h i l f e , p a g . 4 7 9 . Braun, Lehrbuch d. Geburtshilfe. Wien 1857, pag. 458 u. f. 8 9 er sagt: die Sectionsbefunde an Eclampsie Verstorbener weisen grosse Menge von Epithelien der Harnkanälchen durch den ausserordentlich häufig eine unzweifelhafte Bright'sche Nieren­ Urin entleert werde, und schnelle Genesung von der Krank­ krankheit nach. heit dessenungeachtet erfolge. Aber noch ein anderer wichtiger Streitpunkt existirt zwi­ Scanzoni1) wirft dagegen die Frage auf, ob Albuminurie schen Litzmann und Braun einerseits und Scanzoni ande­ und Faserstoffcylinder im Harn nur den tiefergreifenden Nieren­ rerseits : das Verhältniss der bei Schwangern vorkommenden krankheiten eigentümlich seien. Dass Albuminurie auch bei Albuminurie zur Eclampsie. leichtern Nierenaffectionen — katarrhalischer Reizung der Zuerst muss hervorgehoben werden, dass Litzmann1) Harnwege — vorkommen könne, giebt schon Litzmann zu. das Verdienst hat, den Harn Schwangerer, Gebärender und Scanzoni behauptet aber, dass auch Faserstoffcylinder nicht Wöchnerinnen sorgfältigen Untersuchungen unterzogen zu ha­ immer für Morbus Brightii sprächen, sondern auch bei einer ben. In den 132 Fällen, wo er denselben untersuchte, war er katarrhalischen Entzündung der Harnkanälchen vorkommen 37 Mal eiweisshaltig, 95 Mal eiweissfrei. Ausgehend vom Vor­ können; zu letzterer gebe die Stauung in den Nierenvenen kommen der Albuminurie sowohl bei gesunden Schwangeren Veranlassung, welche in Folge des Drucks des schwangeren und Gebärenden, als auch bei solchen, die an Eclampsie er­ Uterus auf die Venen entstehe. Scanzoni kann deshalb im kranken, leitet Litzmann von zwei wesentlich verschiedenen Vorkommen von Eiweiss uud Faserstoffcylindern im Harn Zuständen die Albuminurie ab und zwar 1) von einer einfachen Schwangerer ein untrügliches Zeichen des Morbus Brightii nicht katarrhalischen Reizung oder Blennorrhoe der Harnwege; hier sehen. ist der Eiweissgehalt des Urins meist nicht bedeutend, Faser­ Weiter erörtert Scanzoni2) die Frage, ob denn stets die stoffcylindern begegnet man hier nie. 2) Vom Morbus Brightii. Albuminurie und Faserstoffcylinder im Harne dem Ausbruch Hier handelt es sich um Albuminurie mit Faserstoffcylindern der Convulsionen vorangehen, was doch der Fall sein müsste, im Harn. Sowohl die einfache Albuminurie als auch den Mor­ wenn das Nierenleiden das Primäre, die Eclampsie das Sekun­ bus Brightii Schwangerer erklärt Litzmann ebenso wie Fre­ däre wäre, oder ob sie nicht auch zuweilen, der Zeit ihres richs: die mechanische Blutstauung in den Nieren und die Auftretens nach, auf die eclamptischen Anfälle folgen.. Er citirt veränderte Blutbeschaffenheit Schwangerer seien das Bedingende darauf die Untersuchungen von L. Mayer, Litzmann und derselben. Ganz ähnlich erklärt Braun2) viele Fälle von Al­ seine eigenen über die Albuminurie der Schwangeren, Gebären­ buminurie während der Schwangerschaft. Er behauptet näm­ den und Wöchnerinnen und berechnet, dass der Harn bei lich, dass durch einen blossen Congestivzustand der Nieren eine 10 % aller Schwangeren, bei 31 % aller Gebärenden und Neu­ vermehrte Transsudation und hiedurch eine vermehrte Mortifi- entbundenen eiweisshaltig sei. Hieraus schliesst er, dass der cation von Epithelien eingeleitet werden könne, ein Process, Gebärakt ein wesentliches Causalmoment der der Albuminurie der ohne nachhaltige Folgen bald vergehe. Als Analogem weist zu Grunde liegenden Nierenveränderung sei. Zugegeben aber, er auf die Fälle hin, wo bei Scharlach, Pneumonie u. s. w. eine dass die Albuminurie in der Mehrzahl der Fälle erst während der Geburt entstehe, so könne man die eclamptischen Anfälle 1) Deutsche Klinik 1852, n. 26. — 2) Braun, Lehrt), d. Geburts­ hilfe, pag. 464, 1) Klin. Vortr. Bd. III, pag. 446. — 2) ibid. pag. 468. 10 11 nicht immer einer Urämie zuschreiben. Denn wie könnte in selwirkung zwischen Wehenthätigkeit und Eclampsie. Wenn so kurzer Zeit Morbus Brightii und Urämie überhaupt entstehen? man erst nach Ausbruch der Eclampsie den Harn untersuche, Auch führt Scanzoni als Stütze seiner Ansicht die Beobach­ und ihn schon nach den ersten Anfällen derinassen mit Eiweiss tung an, dass mit der Dauer und der Heftigkeit der eclampti­ überladen finde, dass beim Kochen nicht selten die ganze Masse schen Anfälle die Eiweissmenge im Harne zunimmt, nach deren zu einem gelblich-weissen Coagulurn gerinnt, und das Mikroskop Aufhören aber sich schnell mässigt und in kurzer Zeit ganz massenhafte Faserstoffcylinder nachweist, so könne Niemand verschwindet. Schliesslich will er nach heftigen epileptischen, annehmen, dass die betreffende Nierenaffection erst innerhalb Anfällen Eiweiss im Harn nachgewiesen haben, zum Beweise der letzten Stunden sich entwickelt habe. Schliesslich behaupten dafür, dass Convulsionen wirklich Albuminurie erzeugen können. sowohl Litzmann als Braun, dass sie selbst nach den heftig­ Gegen diese Deduction wendet nun Litzmann1) ein, dass sten epileptischen und hysterischen Convulsionen niemals Ei­ einmal in den meisten Fällen von Eclampsie, wo der Harn weiss im Harn gefunden haben. Nur sehr selten finde man noch vor dem Ausbruch der Anfälle untersucht wurde, sich Ausnahmen von dieser Regel. schon Albuminurie vorfand, dass weiter in den Fällen, wo Aber noch andere Einwände, als die von Scanzoni er­ Patienten erst nach ausgebrochener Eclampsie zur Beobach­ hobenen, lassen sich gegen die Frerich s'sche Hypothese von tung kamen, der Harn also nicht früher untersucht werden der Abhängigkeit der Eclampsie vom Morbus Brightii geltend konnte, solche Massen von Eiweiss und Faserstoffcylindern im machen. Ein sehr wichtiger ist das Verhältniss, in welchem Harn vorhanden waren, dass sie unmöglich erst während der der der Eclampsie supponirte Morbus Brightii zur angeblichen Geburt entstanden sein konnten. Auch hier sei also der Mor­ Ursache desselben, der Stauung in den Nierengefässen und der bus Brightii in der Schwangerschaft entstanden. Ueberhaupt hydrämischen Blntmischung Schwangerer, steht. Es fragt sich legt Litzmann Gewicht auf den Grad der Albuminurie. Es nämlich, ob in Folge einer Stauung in den Nierenvenen über­ sei gar nicht selten, dass man geringe Grade derselben erst haupt eine parenchymatöse Nephritis entstehen könne. In frü­ während der Geburt entstehen sehe; nie finde man dann Faser­ heren Zeiten hat man allerdings vielfach die Veränderungen, stoffcylinder im Harn, sondern nur Eiweiss, Epithelien der wie sie durch Stauung in den Nieren erzeugt werden, mit denen Harnwege, Eiterkörper. Das seien aber gar nicht Fälle von beim Morbus Brightii zusammengeworfen, es ist aber von Morbus Brightii, sondern es handle sich hier nur um eine ka­ Traube und Anderen bewiesen worden, dass die Nierenstauung tarrhalische Reizung der Harnwege. eine Krankheit sui generis ist, die von den entzündlichen Nie­ Ganz ebenso energisch spricht sich Braun2) aus. Die renkrankheiten, zu denen der Morbus Brightii gehört, zu tren­ Wehenthätigkeit darf auch nach ihm nicht als Ursache der nen ist. Auch Rosenstein1) verficht diese Ansicht. Die Eclampsie angesehen werden. Das häufige Vorkommen dieser Stauung in den Nierengefässen in Verbindung mit der hydrä­ während der Schwangerschaft und in den ersten Tagen des mischen Blutbeschaffenheit Schwangerer erkläre sehr gut das Wochenbettes spreche deutlich für die untergeordnete Wech­ Eiweiss und die Faserstoffcylinder im Harne dieser. (Sonach ist also Scanzoni berechtigt, in der Anwesenheit von Faser- 1) Deutsche Klinik 1855, n. 29, 30. — 2) Braun, Lelirb. d. Ge­ burtshilfe, pag. 468. 1) Pathologie der Nierenkrankheiten, Berlin 1863. 12 13 stoffcylindern im Harn kein Zeichen des Morbus Brightii zu ist ja die Circulation in den Nierengefässen wiederhergestellt, sehen). und der Morbus Brightii müsste nun rückgängig werden, und Ein weiterer Einwand gegen die Frerichs'sche Hj^pothese statt dessen treten die Zeichen der urämischen Intoxication, ist der, dass der Krankheitsverlauf, wie er sich bei der Albu­ die eclamptischen Anfälle, ein. Dort, wo es schon zu weitern minurie Schwangerer, (namentlich solcher, die späterhin an Veränderungen in der Niere gekommen ist, werden wol diese, Eclampsie erkranken) findet, nicht dem des Morbus Brightii auch nach aufgehobener Ursache, nicht mehr ohne Weiteres entspricht. Alle Anhänger Frerichs's sind darüber einig, dass schwinden ! — die Albuminurie und Oedeme Schwangerer in der Mehrzahl Allerdings haben Sectionen an Eclampsie Verstorbener in der Fälle in den vier letzten Monaten der Schwangerschaft, bei manchen Fällen die Veränderungen, wie sie dem Morbus Brightii zunehmendem Druck des Uterus auf die Nierenvenen, entstehe. zukommen, in den Nieren nachgewiesen. Ausgenommen die Nun ist aber der acute Morbus Brightii eine sehr rasch zur Fälle, die Litzmann anführt, finden sich solche verzeichnet Genesung oder zum Tode verlaufende Krankheit; nie wird er von II eck er1), Seydel2), Krassnig3). Im Jahre 1860 wur­ sich vier Monate lang hinziehen, es sei denn, dass er in die den auch in Dorpat die Nieren einer an Eclampsie zu Grunde chronische Form übergehe. Der ganze Verlauf der Eclampsie gegangenen Frau mikroskopisch untersucht und es fanden sich widerspricht aber auch der Ansicht, es handele sich hier um in ihnen, wie aus dem Journal der geburtshilflichen Klinik zu einen chronischen Morbus Brightii. Letztere Krankheit gilt ersehen ist, 1) in die Corticalis eingebettet zahlreiche Cysten doch sonst als eine unheilbare, stetig bis zum letalen Ende von sehr verschiedener Grösse, 2) in den Harnkanälchen deut­ fortschreitende. Bei der Albuminurie Schwangerer sehen wir liche Faserstoffcylinder, wenn auch nur spärlich, 3) das Epithel aber in den meisten Fällen, dass nach Ueberstehen der eclamp­ der Harnkanälchen verfettet, stellweise zu einem Detritus zer­ tischen Anfälle Eiweiss und Faserstoffcylinder aus dem Harn fallen, welcher diese ausfüllte; an anderen Orten waren die­ verschwinden und Genesung eintritt. Frerichs selbst behaup­ selben collabirt und geschrumpft. Abgesehen aber davon, dass tet, dass nur sehr selten der Process sich fortspinne und den in vielen andern der eben angeführten Fälle die mikroskopische gewöhnlichen Verlauf des chronischen Morbus Brightii annehme. Untersuchung — dem Referate nach — sehr mangelhaft ange­ Als Erklärung für letztere Thatsache führt er an, dass nach stellt wurde, lassen sich noch weit mehr Fälle auffinden, wo der der Entbindung, also nach Aufhebung des Drucks des Uterus Sectionebefund demjenigen beim Morbus Brightii nicht entspricht. auf die Nierenvenen, die Circulation in den Nierengefässen Zu Anfange dieses Jahres wurde zum Beispiele in Dorpat die sich wiederherstelle und nun der ganze Process rückgängig Section einer in der Gebäranstalt an Eclampsie Verstorbenen werde. Wie stimmt aber hiemit die Thatsache überein, dass gemacht und ergab nur eine Hyperämie der Nieren, keine Spur in vielen Fällen die Eclampsie in den letzten Monaten der einer parenchymatösen Entzündung. Schwangerschaft eintritt, dass sie, ohne die letztere zu unter­ Einen der wichtigsten Einwände gegen die Frerichs'sche brechen, wieder vorübergeht, mit ihr die Albuminurie und die Hypothese bietet auch der Umstand, dass in vielen Fällen von Faserstoffcylinder, und die Schwangerschaft dann ihrem nor­ malen Ende entgegengeht? Wie lassen sie;h dann die Fälle 1) Klinik d. Geburtskunde, Leipzig 1864, pag. 76 u. 155. •— 2) Mo- natsschr. f. Geburtskunde, Bd. XXIY, pag. 277 u. f. — 3) Spitals-Zeitung, erklären, wo die Eclampsie erst im Wochenbette auftritt? Hier Wien 1859. 17—24. 14 15 Eclampsie garkein Eiweiss und keine Faserstoffcylinder im Harn Endlich sind in der Literatur einige Fälle verzeichnet, wo gefunden werden. Diese Fälle können doch unmöglich vom die Albuminurie sich erst unter den Convulsionen einstellte, Morbus Brightii abhängig gemacht werden, und es haben sich vor denselben nicht eine Spur von Eiweiss im Harn nachzu­ die Anhänger Frerichs's vergeblich alle Mühe gegeben, sie weisen war. Dohm1) beschreibt einen solchen Fall sehr aus­ genügend zu erklären oder haben sie ganz unerklärt gelassen. führlich. In diesem war auch die 24-stündige Harnstoffmenge Litzmann1) sagt zum Beispiel: alle derartigen Mittheilungen keineswegs verringert, wie es doch bei einer Urämie im Fre­ dürfen nur mit grosser Vorsicht aufgenommen werden. Gegen­ richs'sehen Sinne hätte geschehen müssen • sie erreichte sogar wärtig sind aber alle Geburtshelfer einig, dass solche Fälle 32,3 Gramm. In solchen Fällen kann man auch nicht die garnicht selten vorkommen. Braun2) sagt: „Die Fälle, in Eclampsie von einem Morbus Brightii abhängig machen. Im welchen bei Eclampsie keine Spuren von Albuminurie entdeckt Dohm'sehen Falle Hessen denn auch die Nieren bei der Au­ werden konnten, sind nur Beweise, dass Convulsionen in der topsie nichts derartiges erkennen. Schwangerschaft ausnahmsweise von verschiedenen Ursachen, Aus allem Angeführten geht hervor, dass man nur mit wie von Meningitis, Typhus, capillärer Apoplexie, Epilepsie, grosser Vorsicht den Zusammenhang zwischen Eclampsie und Cholämie herrühren können." Es haben sich aber derlei Ur­ Morbus Brightii annehmen kann. Jedenfalls wird man in je­ sachen keineswegs in den Fällen nachweisen lassen, wo die dem Falle von Eclampsie genau unterscheiden müssen. Nur Eclampsie ohne Eiweiss und Faserstoffcylinder im Harn verlief. dort, wo schon vor der Schwangerschaft Morbus Brightii be­ Hecker3) betrachtet solche Fälle nur als Ausnahmen, die des­ stand und nach der Entbindung fortdauerte, wird man die halb die Regel (Eclampsie m i t Albuminurie) nicht umstossen. eclamptischen Convulsionen, die hier etwa vorkommen, von Nebenbei giebt er aber zu verstehen, es könne sich hier viel­ jener Krankheit abhängig machen dürfen. leicht nur um eclamptiforme Zustände gehandelt haben! Wenn nun die Pathogenese der Eclampsie, wie sie Fre­ Braun4) erzählt jüngst einen Fall, wo man während des Le­ richs wollte, sich nicht halten liess, so mussten noch andere bens weder vor noch nach den eclamptischen Anfällen Eiweiss Erklärungsweisen- gesucht werden. Eine solche ist von Scan­ im Harn nachweisen konnte, dagegen schon während des Le­ zoni2) gegeben worden. Dieser definirt die Eclampsie als all­ bens die Gegenwart einer Amyloidmetamorphose der Nieren gemeine, klonische, vom Rückenmark ausgehende, mit Aufhe­ nachwies, indem im Harn Körperchen vorhanden waren, welche bung des Bewusstseins verbundene Krämpfe des der Willkühr nach Zusatz von Jod und Schwefelsäure sich blau färbten. Er unterworfenen Muskelapparats, welche in der durch die Schwang­ schliesst daraus, dass auch dort, wo keine Albuminurie zuge­ erschaft bedingten anomalen Blutmischung und in der durch gen, dennoch eine Nierenveränderung der Eclampsie zu Grunde diese hervorgerufenen gesteigerten Erregbarkeit des motorischen liegen könne. Abgesehen davon, dass diese Beobachtung ganz Nervensystems, namentlich des Rückenmarks, ihren nächsten vereinzelt dasteht, ist nur zu oft durch die Autopsie nachgewie­ Grund haben. Uud zwar sollen die letzteres treffenden Impulse, sen worden, dass die Nieren völlig intact waren. Vergl. auch welche r e f 1 e c t o r i s ch die Krämpfe veranlassen , einmal her- den im Folgenden erwähnten Do hm'sehen Fall! 1) Deutsche Klinik 1852. — 2) Lehrt», d. Geburtshilfe, pag. 491. — 1) Monatsschr. f. Geburtskunde, Bd, XXV, pag. 24. — 2) Klin. 3) 1. c. pag. 161. — 4) Wien. med. Woehenschr. 18G4, n. 1. Vortr. Bd. III, pag. 454 u. f. 16 17 geleitet werden von der Peripherie, namentlich von den sen- Bluts und begünstigt durch die abnorm hohe Spannung im sibeln Nerven des Uterus her (es sind das die Zerrungen, welche Aortensystem, welche ihrerseits durch die in den spätem Pe­ die Geburtswege während des Gebärakts zu erleiden haben), rioden des Morbus Brightii vorhandene Herzhypertrophie bedingt zweitens sollen aber auch Reize (Gemüthsbewegungen u. dergl.) werde. Werde nun entweder die Spannung plötzlich gesteigert, direkt das Gehirn treffen und bei der vorhandenen grösseren oder die Dichtigkeit des Blutserums noch mehr vermindert, so Erregbarkeit dieses Theiles Krämpfe auslösen können. Schwie­ ti ete das Oedem factisch ein und ihm folge nothwendig Anämie. riger findet es Scanzoni, die die Krämpfe begleitende Be- Je nachdem dieser Vorgang das ganze Gehirn oder nur einzelne wusstlosigkeit zu erklären. Auch er sieht sich genöthigt, zur Theile betreffe, entstehe im Anfall Coma oder Convulsionen, Erklärung derselben eine Blutintoxication anzunehmen. Wel­ oder beide zugleich, und zwar bei Anämie und Oedem des gros­ cher Art dieselbe aber sei, weiss er nicht anzugeben. Eine sen Gehirns Coma, bei Anämie und Oedem des Mittelhirns neben Ammoniakintoxication weist er, wie schon angeführt wurde, dem Coma Convulsionen. Es ist zwar auch die Traube'sche entschieden zurück. Ansicht nicht ohne Widerrede geblieben; namentlich hat man Noch andere Erklärungsweisen für die Eclampsie ergeben gegen dieselbe eingewendet, dass die Herzhypertrophie, von sich, wenn man die verschiedenen Theorieen über die Genese welcher die vermehrte Spannung des Aortensystems abhängen der Urämie, für deren Symptom man ja vielfach die erstere soll, bei vielen Urämischen vermisst werde 5 weiter hat man hielt, berücksichtigt. Von diesen ist die Retention von Harn- das Gehirnödem als Folge, nicht als Ursache der Convulsionen bestandtheilen im Blute in Folge einer Nierendegeneration, im bezeichnet. In der jüngsten Zeit hat aber die Traube'sche Vorhergehenden als Ursache der Eclampsie zurückgewiesen wor­ Ansicht in Münk1) einen eifrigen Vertheidiger gefunden, wel­ den. Es bleiben aber noch einige andere Ansichten über das cher um so mehr zu schätzen ist, als er durch Experimente Wesen der Urämie zu erörtern übrig, welche in ganz anderen an Thieren die Rechtfertigung Traube's durchzuführen sucht. Zuständen die Erklärung derselben suchen. Die ältesten der­ Münk stellte die beiden Bedingungen, unter denen nach Traube selben rühren vonOsborne und Rees her1). Osborne sucht Urämie eintritt, dadurch her, dass er an Hunden die Vena ju- das Wesen der Urämie in einer Arachnitis, Rees in einer Hy- gularis unterband und Wasser in die Carotis injicirte, nachdem drämie. Beide Ansichten haben sich aber nicht halten können, er zuerst beide Ureteren unterbunden hatte, um die rasche indem bei keinem Urämischen eine Arachnitis gefunden worden Ausscheidung des Wassers mit dem Harn zu hindern. Sofort ist, andererseits auch die hydrämische Blutbeschaffenheit an nach diesem Eingriffe verfielen die Thiere in einen comatösen sich niemals urämische Erscheinungen bewirkt. Von grösserer Zustand, in welchem sich die verschiedenartigsten Zuckungen Bedeutung ist die Traube'sche Ansicht über die Entstehung der zeigten, so dass das Gesammtbild dem der Urämie glich. In Urämie. Traube2) erklärt die urämischen Erscheinungen beim diesem Zustande verblieben die Thiere 12—24 Stunden, bis der Morbus Brightii als durch Anämie und Oedem des Gehirns ent­ Tod erfolgte. Der Sectionsbefund war ein solcher, wie er der standen. Letzteres werde vorbereitet durch die Verdünnung des Traube'schen Ansicht entspricht: das Gehirn meist anämisch, ödematös, die Gyri mehr oder weniger abgeplattet; Blutextra- 1) Rosenstein a. a. 0. pag. 169. — 2) Med. Central-Ztg. XXX. 103. 1861. 1) Berlin, klin. Woclienschr. 1864, n. 11. 2 18 19 vasate waren, mit Ausnahme eines einzigen Falles, nicht vor­ Beweis dieser Ansicht führt Rosen stein schliesslich noch an, handen. dass man bei Sectionen an Eclampsie Verstorbener fast stets Gerade die Traube'sche Ansicht ist nun in neuerer Zeit Oedem und Anämie des Gehirns vorfinde. Die Meningen seien auch zur Erklärung der Eclampsie herbeigezogen worden, und allerdings, und zwar in Folge der vorangegangenen Convulsio­ zwar ist das von Rosenstein1) geschehen. Dieser spricht nen, hyperämisch. sich gegen die Frerichs'sche Hypothese aus, dass die Eclampsie Gegen Rosenstein ist Hecker1) aufgetreten. Derselbe durch Retention des Harnstoffs und Zersetzung des letzteren wirft ersterem namentlich das vor, dass er die Albuminurie zu Stande komme. Es sei ja eine bekannte Thatsache, dass von den eclamptischen Convulsionen herleite. Rosen st ein die Eclampsie häufig ohne Albuminurie einhergehe. Dagegen berücksichtige hiebei nicht den Grad der Albuminurie. Durch trete in der Mehrzahl der Fälle die Albuminurie erst während den Gebärakt könne Eiweiss in den Harn übertreten, die ko­ des Gebäraktes auf (vergl. Scanzoni's statistische Berechnung lossale Menge Eiweiss aber, die man im Harn Eclamptischer auf pag. 9). Ebenso trete die Eclampsie weit häufiger zur antreffe, mache es ganz unmöglich, dass die Albuminurie erst Zeit des Gebäraktes als zu anderen Zeiten der Fortpflanzungs­ während der Convulsionen aufgetreten sei. Weiter wendet periode ein (nach Braun2) unter 44 Fällen von Eclampsie Hecker ein, dass die Eclampsie fast ebenso häufig während 24 Mal, nach Wieger3) unter 455 Fällen 236 Mal). Weiter der Schwangerschaft und im Wochenbett, als während der habe die Entbindung durch Befreiung der Nierencirculation Geburt eintrete, dass der Gebärakt also keinen absoluten Ein­ einen günstigen Einfluss auf die eclamptischen Anfälle, während fluss auf die Eclampsie haben könne. Schliesslich spricht sich zu gleicher Zeit auch die Albuminurie zu schwinden pflege. Hecker sehr energisch gegen die Rosenstein'sche Ansicht Hieraus gehe aber hervor, dass der Gebärakt und die durch vom Zustandekommen der Eclampsie aus: „Nicht nur, dass diesen geschaffene Circulationsveränderung von grossem Ein­ das Verhältniss zwischen Nierenaffection und Eclampsie umge­ fluss auf die Entstehung der Eclampsie sei. Rosenstein über­ kehrt wird, sondern auch das Gehirnödem, das man bisher trägt nun die Ansicht Traube's über das Zustandekommen immer gewohnt war als einen Folgezustand der Eclampsie auf­ der Urämie auf die Eclampsie und sieht in dieser nur ein ver­ zufassen , soll seine Stelle verändert haben in der Reihe der ändertes Circulationsphänomen im Gehirn. „Unter dem Ein­ Erscheinungen; diese Reihe würde jetzt so lauten : seröse Blut­ flüsse eines Vorgangs, wie der Gebärakt, werde durch die beschaffenheit, Action der Muskeln bei der Geburt, Spannung Wirkung des gesammten Muskelsystems ein abnorm hoher in der Aorta, Oedem des Gehirns, Convulsionen, endlich Eiweiss Druck im Aaortensystem geschaffen, welcher bei vorhandener im Harn." Namentlich bezeichnet Heck er die Annahme der Verdünnung des Blutserums durch seine Wirkung auf die klein­ Einwirkung des gesammten Muskelsystems auf des Gehirn bei sten Arterien das Oedem und die secundäre Anämie des Gehirns der Geburt als lächerlich. zu Stande bringt und so die Convulsionen hervorruft." Als Die Einwendungen Hecker's hat Rosenstein2) nicht unbeantwortet gelassen. Er verwahrt sich zunächst dagegen, 1) Pathol. d. Nierenkrankh. Berlin 1863, pag. 52 u. f. — 2) Chiari, Braun u. Späth, Klin. d. Geburtshilfe u. Gynäkol. pag. 251 u. f. — 3) Schmidt's Jahrb. 1855, Nr. 87. Das Original in Gaz. de Strassb. 1854, 1) Klin. d. Geburtskunde, Leipzig 1864, pag. 161 u. f. ~ 2) Mo- n. 6 — 12. tiatsschr. d. Geburtskunde, Bd. XXIII, pag. 413 u. f. 2* 20 21 dass ihm Heck er die Abhängigkeit der Albuminurie von der der Eclampsie vorangehenden Oedeme sprechen. (Grade hie- Eclampsie imputire. Er habe nie behaupten wollen, dass die mit glaubt Rosenstein auch den Einwand Hecker's zurück­ eclamptischen Anfälle die Albuminurie hervorriefen ; nicht sie, weisen zu können, dass seröse Blutbeschaffenheit bei Schwang­ sondern die durch den Gebärakt hervorgerufene resp. gestei­ ern die Regel, Eclampsie aber eine so seltene Krankheit sei.) gerte Nierenstauung sei das Bedingende der Albuminurie. Da Auch die in vielen Fällen dem Ausbruch der Eclampsie vor­ aber die Nierenstauung schon in den letzten Monaten der angehende Albuminurie vergrössere die seröse Blutbeschaffen­ Schwangerschaft bestehen könne, finde man häufig auch schon heit. Das andere Moment, die Drucksteigerung in der Aorta, vor dem Beginne der Geburtsthätigkeit Eiweiss im Harne. könne in verschiedener Weise zu Stande kommen: durch Und letzteres sei sogar ein begünstigendes Moment der Eclamp­ grössere oder geringere Betheiligung des ganzen Muskelsystems sie, indem das Blut dadurch noch seröser werde. Weiter sagt an der Wehenthätigkeit, „durch Einwirkung der Kohlensäure Rosenstein, dass er nie behauptet habe, der Gebärakt habe auf das Herz, deren Reduction durch unvollständige Respiration einen absoluten Einfluss auf die Entwickelung der Eclampsie. vermindert sein wird", vielleicht auch durch das Aufhören reich­ Derselbe sei nur eine der wichtigsten Ursachen, welche den licher Schweisse. Ob auch eine Herzhypertrophie bei vielen Druck im Aortensystem, der ja zur Entstehung der Eclampsie Eclamptischen zugegen sei, müssen spätere Beobachtungen von Wichtigkeit, vermehren; damit sei aber nicht gesagt, dass nachweisen. Endlich sei es Thatsache, dass die Eclampsie dieser Druck nicht auch noch durch andere Ursachen gesteigert am häufigsten bei Erstgebärenden vorkomme, wo man auch werden könne. Letztere treten dort in Kraft, wo die Eclampsie einen gesteigerten Druck in der Aorta annehmen könne. gar nicht während der Geburt, sondern in der Schwangerschaft Die Nierenveränderung steht nach Rosenstein in den meisten oder im Wochenbett auftrete. Schliesslich behauptet Rosen - Fällen in gar keiner Beziehung zur Eclampsie; die Albuminurie stein, dass man das^ Gehirnödem und die Gehirnanämie nicht ist nur das Zeichen einer gesteigerten Stauung und verschwindet als Folgezustand der Convulsionen deuten könne; im Gegen- deshalb auch nach geschehener Entbindung so rasch. Fasse theil, sie seien die Ursache der Convulsionen. Dafür spreche, man die Albuminurie so auf, so könne man mit Leichtigkeit dass man durch experimentelle Erzeugung von Gehirnödem die Fälle erklären, wo Eclampsie ohne Albuminurie auftritt. und Gehirnanämie eclampsieartige Anfälle herbeibringen könne Hecker1) hält aber trotz dieser Einwendungen an seiner (vergl. Munk's Versuche auf pag. 17). Ansicht fest. Er giebt jetzt zwar zu, dass unter Umständen, In demselben Artikel spricht sich Rosenstein eingehend wenn auch selten, die Albuminurie erst in Folge der eclampti­ über die Bedingungen aus, unter denen Gehirnödem und Ge­ schen Anfälle entstehen könne ; er sieht sich dazu genöthigt in hirnanämie bei Eclamptischen zu Stande kommen. Die Eclamp­ Folge des oben erwähnten Dohrn'schen Falles. Gehirnödem sie sei identisch mit Urämie im Traube'schen Sinn. Demnach und Gehirnanämie sieht er aber trotz der Münk'sehen Expe­ bedürfe es zum Zustandekommen ersterer einer serösen Blut­ rimente als Folge der Convulsionen an. Weiter greift er die beschaffenheit und eines gesteigerten Drucks in der Aorta. beiden Momente an, die nach Rosenstein diese Anomalie des Eine seröse Blutbeschaffenheit finde man bei jeder Schwangern; Gehirns erzeugen sollen. Seröse Blutbeschaffenheit finde sich bei solchen aber, die eclamptlsch würden, erreiche diese Blut­ beschaffenheit eine extreme Höhe, wofür die dem Ausbruch 1) Monatsschr. d. Geburtskunde, Bd. XXIY, pag. 298 u. f. 22 23 bei jeder Schwangern, und dennoch sei die Eclampsie eine so sehen resp. eclamptiformen Erscheinungen zu bewirken. Bei seltene Krankheit. Das Zustandekommen des vermehrten Aor­ den drei ersten Versuchen unterband ich auch eine Vena jugu- tendrucks sei schwer zu erklären. Die Geburtsarbeit könne laris externa, durch welche Unterbindung Münk die ver­ vielleicht den Druck in der Aorta vermehren ; wie soll man mehrte Spannung in den Carotiden bewirkt haben will; schon aber dann die Fälle erklären, wo die Eclampsie ganz ohne a priori musste aber vermuthet werden, dass die Unterbindung Gegenwart von Wehen auftritt? Die Einwirkung der Kohlen­ einer Jugularvene bei der Massenhaftigkeit der venöseu Ab­ säure auf das Herz sei nicht recht verständlich. Ein Aufhören zugskanäle aus dem Gehirn ganz irrelevant sein werde. Ich reichlicher Schweisse finde nicht statt, im Gegentheil schwitzen fand denn auch bald, und zwar durch ein mit der Injections- Eclamptische recht stark. Die Hypertrophie des linken Ventri­ canüle verbundenes Quecksilbermanometer, dass schon ein sehr kels sei, wie Rosenstein selbst zugegeben, nicht nachgewiesen. mässiger Druck der Hand , welcher die Wasserinjection in die Das Angeführte wird genügen, um den heutigen Stand Carotis bewirkte, den normalen Seitendruck des Bluts in diesem der Eclampsiefrage in seiner ganzen widerspruchsvollen Zerris­ Gefässe, der durchschnittlich auf etwa 150 Mm. Hg veranschlagt senheit darzulegen. Alle Seiten dieser so überaus verwickelten werden muss, um 30—50 Mm. überstieg, und somit dieses Ar­ Angelegenheit auf's Neue zu prüfen, dürfte für einen Anfänger terienrohr in einen nicht geringen Spannungszustand versetzte. ein allzu umfassendes Unternehmen sein. Ich habe mich daher Ich unterliess daher in den nächsten Versuchen diese Venen­ darauf beschränkt, die Münk'sehen Experimente, welche die unterbindung ganz, und kam doch zu demselben Resultat wie wesentliche Grundlage der Ptosenstein'schen Ansicht bilden, Münk. Durch diese beiden Unterlassungen können meine Ver­ zu wiederholen und für die Beurtheilung der Sache zu benutzen. suche nur an Beweiskraft gewonnen haben, indem sie unter Bedingungen angestellt wurden, die von den gewöhnlichen Verhältnissen geringere Abweichungen darboten, als die Ver­ suche meines Vorgängers. Ueber die Temperatur des Wassers, das zur Injection II. Experimenteller Theil, diente, hat Münk keine nähere Angabe gemacht. Ich gebrauchte in den drei ersten Versuchen Wasser von Zimmertemperatur. Um aber den Reiz auszuschliessen, den dieses kältere Wasser H^ei Wiederholung der Munk'schen Versuche habe ich auf das Gehirn ausüben musste, griff ich bald zu Wasser von mich veranlasst gesehen, in einigen nicht unwesentlichen Ding­ Blutwärme. Die Injection selbst wurde stets mit einer gewöhn­ en von der Art und Weise abzuweichen, in der Münk seine lichen Spritze angestellt, mit sorgfältiger Vermeidung des Ein­ Beobachtungen anstellte. Während dieser an den Thieren, an tritts von Luft in die Arterie. Bei der nach dem Tode der denen er die Wasserinjection in die Carotis machte, zugleich Thiere angestellten Section beachtete ich namentlich die Be­ die Ureteren unterband, um die rasche Ausscheidung des Was­ schaffenheit des Gehirns. Da aber bei Beurtheilung des öde- sers durch die Nieren zu verhindern, habe ich das unterlassen, matösen Zustandes desselben bloss durch den Gesichtssinn gar weil ich mich gleich bei den ersten Versuchen davon überzeugte, zu leicht Irrthümer vorkommen können, bestimmte ich durch dass es dieser Unterbindung garnicht bedürfe, um die urämi- Eintrocknung im Luftbade den Wassergehalt des Gehirns, und 24 25 verglich ihn mit dem, welchen sowohl andere Beobachter als 10 h. 45'. Tod des Thieres. auch ich selbst im normalen Hundegehirn gefunden hatten. Section. Die Pia mater stark injicirt. Auf Schnittflächen Da schliesslich durch die Wasserinjection das Blut in der Art der grossen Hemisphären sind nur sehr wenig Blutpunkte be­ verändert sein konnte, dass der physiologische Gasaustausch merkbar; zugleich ein geringes Oedem der Hirnsubstanz. mit der atmosphärischen Luft litt, und hiedurch die eclampti- Versuch II, am 25. August. Hund von 9350 Grmm. formen Erscheinungen mit bewirkt werden konnten, so war es von Wichtigkeit, das Blut der Thiere, an denen experimentirt 10 h. 30'. Ligatur einer Vena jugularis. Hierauf Injection worden war, auf seinen Gasgehalt zu untersuchen. von §j Wasser von Zimmertemperatur in die Carotis. Im Mo­ Versuch I, am 24. August. Hund von 8500 Gramm Gewicht. ment der Injection heult das Thier auf, ist äusserst unruhig, 10h. 15'. Ligatur einer Vena jugularis externa, hierauf macht Schlingbewegungen ; sonst keine Veränderungen an dem­ Injection von %ß destillirten Wassers von Zimmertemperatur selben bemerkbar. in das peripherische Ende einer Carotis. Im Moment der In­ 11 h. Injection von §iij Wasser. Das Thier wird apathisch, jection heult das Thier laut auf und ist sehr unruhig. Sonst ist aber bei Besinnung. keine auffallenden Erscheinungen. 11 h. 25'. Injection von §j Wasser. Erbrechen. Bis jetzt 10 h. 30'. Injection von %ß Wasser. Im Moment der ist kein Harn gelassen. Injection grosse Unruhe und fibrilläre Zuckungen aller Muskeln 11h. 30'. Unterbindung der andern Vena jugularis. Der­ des Kopfes. Sofort hierauf wird das Thier völlig comatös. selbe Zustand. Hierauf Injection von Wasser. Sofort tiefes Alle Reflexerregbarkeit ist geswunden. Zuerst die beiden vor­ Coma. Klonische Zuckungen der Extremitäten und des dem, dann auch die hintern Extremitäten werden tetanisch Rumpfes, die bald in tetanische Streckung der Extremitäten und gestreckt; nach einigen Minuten verschwindet der Tetanus Opisthotonus übergehen. Die Pupillen verengt, die Nickhaut wieder, in derselben Ordnung, in der er eingetreten war, also gelähmt, so dass sie einen beträchtlichen Theil der vorderen zuerst an den vordem, später an den hintern Extremitäten. Augenfläche zudeckt. Bis zum Tode des Thieres treten aber noch einige Male teta- Der P. schwankte während des Versuchs zwischen 46—52 nische Streckungen der Extremitäten ein. in der Min., war unregelmässig. Die R. blieb 30 in der Min., Die Pupillen stark erweitert. Harn wird nicht gelassen. die T. im Mastdarm auf 39,2 0 C. Die Respirationsfrequenz *) vor Beginn des Versuchs 40 12 h. Schliessung der Wunde. in der Min., regelmässig; nach der ersten Injection verlangsamt 3 h. p. m. Coma. Streckkrampf der Extremitäten und sie sich aber sehr bedeutend, bis 12 in der Min., der Athem Opisthotonus. Von Zeit zu Zeit, namentlich bei Berührung des wird schnarchend, der Rythmus unregelmässig. Der Puls vor Thieres, werden die Extremitäten und der Rumpf auch klonisch der ersten Injection regelmässig, 50 in der Min.; unmittelbar hin nnd her geworfen. Die R. ist während dieser Krämpfe nach derselben wird er kaum zählbar, c. 200 in der Min., auch erschwert, die Exspiration wegen Glottiskrampf pfeifend, dann immer kleiner, unregelmässig, kaum fühlbar. häufig heulend. Die Pupillen eng. Keine Harnentleerung. 7 h. p. m. P. 56, R. 28, T. 38,0°. Derselbe Zustand. #) Statt „Respiration", „Puls", „Temperatur" werde ich. künftig die Abkürzungen R., P., T. gebrauchen. Im Laufe der Nacht stirbt das Thier. 26 27 26. August. Section. Die Piat stark injicirt, das Mark 12 h. 42'. Schliessung der Wunde. Tiefes Coma. Der der grossen Hemisphären ödematös und nur wenig Blutpunkte Opisthotonus lässt nach, stellt sich aber bei jeder Berührung zeigend. In den Seitenventrikeln etwas blutig-wässrige Flüssigkeit. wieder ein und wechselt mit Pleurothotonus ab. 3 h. p. m. Die hintern Extremitäten noch krampfhaft an­ Versuch III, am 5. Sptbr. Hund von 12735 Grmm. gezogen, die vordem biegsam. Von Zeit zu Zeit treten spon­ 11 h. 25'. Ligatur einer Vena jugularis. Hierauf Injection tane Krämpfe des Nackens und der Extremitäten ein; ebensolche von Wasser von Zimmertemperatur in die Carotis. Im Mo­ stellen sich bei jeder Berührung des Thieres ein. Während ment der Injection grosse Unruhe, Heulen, Schlingbewegungen. der Krämpfe ist die R. höchst unregelmässig, indem sie einige Fibrilläre Zuckungen der Kopf- und Augenmuskeln. Sekunden lang ganz aussetzt, und dann einige rasch auf ein­ 11h. 35'. Inject, von 3ß Wasser. ) Schwächere fibrilläre Muskel- ander folgende Athemzüge gemacht werden. P. 60, unregel­ > zuckungen. Das Thier wird 11 h. 45'. Desgleichen. ) apathisch. mässig. 11 h. 50'. Desgl. Nur geringe Muskelzuckungen im Moment 7 h. p. m. Das Thier von äusserst heftigen Krämpfen be­ der Injection. Die Apathie nimmt zu. Die Extremitäten werden fallen: der Nacken wird dabei klonisch rück- oder seitwärts steif, die vordem in gestreckter, die hintern in gebeugter Stellung. gezogen, die Extremitäten klonisch hin- und hergeworfen. Zu­ 12 h. 2'. Desgl. Sehr schwache Muskelzuckungen im gleich klonische Krämpfe der Kaumuskeln. Die R. wird durch Moment der Injection. Das Thier ist comatös, die Extremitäten die Krämpfe, an denen sich alle Respirationsmuskeln betheili­ steif. Die Reflexthätigkeit hat zugenommen: bei jeder Berüh­ gen, auf's äusserste gestört, ja steht momentan ganz stille. rung fährt das Thier zusammen. Die Pupillen weit, die Nickhaut gelähmt und über das innere 12 h. 7'. Desgl. Derselbe Zustand. Drittel der vordem Augenfläche hinübergezogen. Ein wenig Harn. 12 h. 15'. Desgl. Bei der Injection keine Muskelzuckung­ Aehnliche Krämpfe wiederholen sich von jetzt an häufig. en mehr. Der Sopor sehr stark ausgesprochen. Die Extremi­ Wenn Alles in der Umgebung ruhig, beruhigt sich auch das täten steif; dann und wann auch klonische Zuckungen dersel­ Thier. Es bedarf aber nur der durch Annäherung einer Person ben. Da noch kein Opisthotonus eintrat, wurde mit den In- bedingten Erschütterung des Bodens, damit die Krämpfe wieder jectionen fortgefahren. ausbrechen. 12 h. 21'. Desgl. Bis jetzt bei jeder Injection Heulen 6. Septbr. 8 h. Coma. Nackensteifigkeit. Von Zeit zu und grosse Unruhe. Zeit klonische Zuckungen der Extremitäten; die vordem sind 12 h. 27'. Desgl. Sofort nach der Injection stellt sich noch immer gestreckt, die hintern gebeugt. Die Pupillen weit, Opisthotonus ein. Die Extremitäten wie oben. Bei Berührung die Nickhaut gelähmt. Keine Harnentleerung. Die R. unre­ des Thieres stellen sich krampfhafte Zuckungen ein, von Zeit zu gelmässig und sehr erschwert, die Exspiration pfeifend. P. un­ Zeit auch spontane Krämpfe. Die Pupillen weit, die Nickhaut zählbar. gelähmt. 10 h. Einige Unzen Harn werden entleert. Der P., der nach der ersten Injection 92 in der Min. war, Tödtung des Thieres durch Verbluten aus der Carotis. sank während der folgenden auf 72 und wurde unregelmässig. Section. Die Gefässe der Pia stark bluthaltig. Die Die R. schwankte zwischen 20—24 in der Min. Schnittfläche der grossen Hemisphären bietet, wenn auch in 28 29 geringem Grade, ein ödematöses Ansehn und wenig Blutpunkte Frostzittern. Die Pupillen weit. Einige Unzen nicht eiweiss- dar. In den Ventrikeln einige Tropfen blutig-seröser Flüssigkeit. haltigen Harns werden entleert. Die Nieren stark hyperämisch. Die Harnkanälchen erwei­ 7 h. p. m. Kopf und Extremitäten krampfhaft gebeugt. sen sich bei der mikroskopischen Untersuchung zum Theil mit Das Frostzittern dauert fort und verstärkt sich bei jeder Inspi­ Faserstoffcylindern angefüllt. Die Blase enthält wenig Harn ration. P. 100, R. 28. von saurer Reaction. Derselbe enthält sowie der oben entleerte 10 Septbr. 10 h. Derselbe Zustand, nur hat der Speichel­ reichlich Eiweiss und Faserstoffcylinder. fluss nachgelassen. Versuch IV, am 9. Septbr. Hund von 6300 Gram. Das Thier wird durch Verbluten aus der Carotis getödtet. 10 h. 50'. Injection von §/? Wasser von Blutwärme in die Section. Die Pia stark injicirt. Die Oberfläche der Gyri Carotis. Keine fibrillären Muskelzuckungen. Das Thier völlig erscheint in höherem Grade feucht glänzend, die Gyri selbst bei Besinnung, aber apathisch. etwas abgeflacht. Auch auf dem Durchschnitt erscheinen die 11 h. desgl. Besinnung vorhanden. Die Extremitäten wer­ Hemisphären feuchter als sonst und zeigen nur wenig Blut­ den aber schon krampfhaft gebeugt. Starker Speichelfluss. punkte. In den Seitenventrikeln blutig-seröse Flüssigkeit. 11h. 15' desgl. Während die fibrillären Muskelzuckungen Die Nieren zeigen einen geringeren Blutreichthum als bei am Kopfe nicht bemerkbar sind, tritt ein [beständiges Zittern Versuch III. Die Blase enthält einige Unzen Harn. Derselbe aller Muskeln des Körpers ein, welches dem Frostzittern ähnelt. zeigt kein Eiweiss und keine Faserstoffcylinder. Spuren von 11 h. 45' desgl. Besinnung ist noch vorhanden, das Thier Gallenfarbstoff sind nachweisbar, aber keine Gallensäuren. ist noch im Stande sich zu erheben. Kopf und Extremitäten Vessuch V, am 26. Sptbr. Einjähriger Hund von 7850 Grmra. werden aber tonisch gebeugt. P. 100, R. 20, T. 39°. 12 h. desgl. i Derselbe Zustand. Das Frostzittern 10 h. 40'. Injection von Wasser von Blutwärme in die 12 h. 10' desgl. ) dauert fort. Carotis. Dieselbe geschieht unter einem sehr hohen Druck. 12 h. 20' desgl. Besinnung nur noch in Spuren vorhanden. Bei der Injection Heulen, grosse Unruhe, aber keine fibrillären Starker Speichelfluss. Bis jetzt keine Harnentleerung. Muskelzuckungen. Grosse Apathie. Besinnung noch vorhanden. 12 h. 30' desgl. Coma. Die Pupillen weit, die Nickhaut 10 h. 45'. Sehr grosse Apathie. Speichelfluss. Die Pu­ gelähmt. pillen eng, die Nickhaut normal. Der P., der vor den Injectionen, nachdem das Thier ge­ 10 h. 50'. Coma. Die Krämpfe beginnen : Opisthotonus, knebelt und befestigt worden, 130 in der Min. betragen hatte, klonische Krämpfe aller Extremitäten. P. 100, unregelmässig ; fiel gleich nach der ersten Injection und schwankte nun zwischen R. 130, zuweilen ganz stillestehend, zuweilen auch heulend (Glot­ 84—64; er wurde auch unregelmässig. Die R. sank ebenfalls tiskrampf). von 34 in der Min. und schwankte dann zwischen 22 — 26. 11h. Schliessung der Wunde. Erbrechen. P. 120, R. 28. Die T. blieb bei 39° C. 3 h. p. m. Coma. Die Extremitäten völlig beweglich. Schliessung der Wunde. Speichelfluss. P. 180, R. 60, T. 39°. 3 h. p. m. Coma. Die vordem Extremitäten völlig be­ 7 h. p. m. Derselbe Zustand. Die Pupillen eng, die Nick­ weglich, die hintern krampfhaft gebeugt. Starker Speichelfluss. haut normal. P. 200, R. 42. T. 38.8°. 30 31 27. Sptbr. 8h. Coma. Opisthotonus; tonische Streckung 11. —16. Octbr. Das Thier bei Besinnung, scheint sich der vordem, klonische Zuckungen der hintern Extremitäten ; aber in einem Zustande von Blödsinn zu befinden : es erkennt zugleich Zuckungen der Lippen und Augenlider, aber kein Tris- Niemanden, knurrt ohne erkennbaren Grund. Auch die Sin­ rnus. Diese Krämpfe wiederholen sich. nesorgane scheinen abgeschwächt zu sein : wenigstens schnappt 10 h. Coma. Das Thier liegt jetzt völlig ruhig da. Sehr das Thier nicht nach der dargereichten Nahrung, schluckt die­ geringe Reflexerregbarkeit. Frostzittern. Speichelfluss. Die Pu­ selbe aber hinab, nachdem man sie ihm in's Maul gebracht hat. pillen eng, die Nickhaut gelähmt. Bis jetzt keine Harnentlee­ Die Extremitäten können jede Bewegung ausführen, die Com- rung. P. 220, R. 40, T. 39,6°. bination der Muskelaction zur Ortsbewegung fehlt aber gänz­ 1 h. p.m. Coma. Schwache Streckung der Extremitäten. lich. Das Thier ist nicht im Stande sich selbst aufzurichten ; Frostzittern, bei jeder Inspiration zunehmend. wird es auf allen Vieren hingestellt, so vermag es nicht nur 5 h. p. m. Coma. Tonische Streckung der Extremitäten. nicht einen Schritt zu thun, sondern kann sich überhaupt nicht Der Speichelfluss nur noch in geringem Grade vorhanden. Keine aufrecht erhalten, es fällt bald wieder um. Harnentleerung. P. 210, R. 34, T. 40 °. 17. Octbr. Tödtung des Thieres durch Verbluten aus der 28. Sptbr. Coma. Tonische Streckung der Extremitäten. Carotis. Frostzittern, namentlich bei der Inspiration. Kein Harn. Pu­ Bei der Section ist mit dem unbewaffneten Auge im Ge­ pillen eng, Nickhaut gelähmt. P. 140, R. 28—36, T. 38,4 °. hirn keine irgend auffällende Veränderung nachzuweisen. 29. Sptbr. Coma. Opisthotonus und Streckkrampf der Versuch VI, am 28. Sptbr. Mehrjähriger Hund von 5500 Grmm. Extremitäten, unterbrochen von klonischen Zuckungen. Einige Unzen Harn werden entleert. P. 120, R. 14, T. 38,5°. Der 10 h. 35'. Injection von §/? Wasser von Blutwärme in die Harn enthält kein Eiweiss. Gallenfarbstoffe nachweisbar, Gal­ Carotis. Im Moment der Injection grosse Unruhe, Heulen, lensäuren fehlen. Schlingbewegungen. Dann auch librilläre Muskelzuckungen. Es schien von Interesse, den weiteren Verlauf der Erschei­ Nach der Injection (dieselbe geschah unter geringem Druck) nungen zu beobachten, das Thier wurde daher noch ferner am wird das Thier auffällend apathisch. Die Pupillen mässig eng. Leben erhalten. 10 h. 50' desgl. Das Frostzittern beginnt. 30. Sptbr. bis 1. Octbr. Das Thier noch comatös, schluckt 11 h. 15' desgl. Derselbe Zustand. aber Wasser und Milch, wenn sie ihm vor die Schnauze ge­ 11h. 25' desgl. Das Thier sehr apathisch, richtet sich bracht werden. Kein Krampfzustand. Das Frostzittern dauert aber noch ganz gut auf. fort. Mehrmalige Harnentleerung. P. 100, R. 14, T. 38,5 °. 11 h. 40' desgl. Speichelfluss stellt sich ein. 2. —10. Octbr. Das Thier gewinnt allmählich die Besin­ 11 h. 50' desgl. Derselbe vermehrt sich. nung wieder. Es versucht von Zeit zu Zeit den Kopf aufzu­ 12 h. 5' desgl. Die Apathie sehr gross, Bewusstsein aber richten ; derselbe fällt aber kraftlos wieder zurück. Die Hals­ noch vorhanden. wunde vernarbt unterdessen. Das Frostzittern dauert fort und 12 h. 10' desgl. Coma. Nacken und Extremitäten zeigen lässt nur allmählich nach. Defäcation und Harnentleerung nor­ einen tonischen Contractionszustand, wenn auch noch nicht mal. Der Appetit gut: in den Mund gestecktes Fleisch wird sehr ausgesprochen. Die Reflexthätigkeit nicht vermehrt. mit grosser Begierde verschlucht. P. c. 100, R. 14, T. 38,5 °. 32 33 Der P. blieb während der Injectionen um 100 herum, die 7 h. p. m. Das Thier ist schon wieder etwas bei Bewusst- R. 20-26. sein. P. 84, R. 22. 12 h. 45'. Tödtung des Thieres durch Verbluten aus der 6. Octbr., 10h. Das Thier bei Bewusstsein. Krampf­ Carotis. hafter Zustand der Nackenmuskeln und der hintern Extremi­ Section. Die Pia mässig injicirt. Die grossen Hemi­ täten. Der Speichelfluss hat nachgelassen. Pupillen und Nick­ sphären zeigen auf dem Durchschnitt nur geringes Oedem und haut normal. wenig Blutpunkte. 11 h. Tödtung des Thieres durch Verbluten aus der Carotis. Section. Die Gefässe der Pia von mässigem Blutgehalt. Versuch VII, am 5. Octbr. Mehrjähriger Hund von 5900 Grmm. Die grossen Hemisphären auf dem Durchschnitt etwas feucht und nur wenig Blutpunkte zeigend. Die Blase enthält etwas 10 h. 45'. Injection von §/? Wasser von Blutwärme in die Harn. Derselbe enthält kein Eiweiss. Carotis. Die Injection geschieht unter geringem Druck. Das Thier wird apathisch, richtet sich aber noch ganz gut auf. Versuch VIII vom 13. Octbr. Mehrjähriger Hund von 10250 Grmm. Speichelfluss stellt sich ein. P. 150, R. 22. 11 h. desgl. Der Speichelfluss sehr stark. 10 h. 45'. Injection von %ß Wasser von Blutwärme in die 11 h. 15' desgl. Sehr grosse Apathie, aber noch Besinnung. Carotis. Die Injection geschieht unter starkem Druck. Das 11h. 25' desgl. ) i c Derselbe Zustand. Thier wird sogleich apathisch. Sehr weite Pupillen. P. 92, 11 h. 35' desgl. ) unregelmässig, R. 20. 11 h. 45' desgl. Das Frostzittern beginnt. Pupillen weit, 10 h. 50' desgl. Im Moment der Injection Opisthotonus Nickhaut gelähmt. und tetanische Streckungen der Extremitäten. Die Apathie 11h. 55' desgl. Bei jeder Injection werden bis jetzt grosse nimmt noch zu. Die Reflexthätigkeit bedeutend vermehrt, so Unruhe und Schlingbewegungen beobachtet. Starkes Frost­ dass bei der geringsten Berührung das Thier zusammenzuckt. zittern. Speichelfluss. Speichelfluss. Beständiges Abträufeln des Harns. 12 h. desgl. Besinnung noch in Spuren vorhanden. 11 h. 10' desgl. Im Moment der Injection Opisthotonus 12 h. 10' Coma. Nackensteifigkeit und tonische Beugung und klonische Zuckungen der Extremitäten. der Extremitäten , unterbrochen von klonischen Zuckungen. 11 h. 20' desgl. Im Moment der Injection dieselben Er­ Die Reflexthätigkeit nicht vermehrt. Sehr starker Speichelfluss. scheinungen wie oben. Völliges Coma. Ein tonischer Con- Frostzittern. Keine Harnentleerung. Die Pupillen verengt, die tractlonszustand der Nacken- und Extremitätenmuskeln. P. Nickhaut gelähmt. 100, R. 20. Der P. während der Injectionen 64 — 68, unregelmässig. 11 h. 45'. Tödtung des Thieres durch Verbluten aus der Die R. 22—30. Carotis. 12 h. 20' Schliessung der Wunde. Section. Die Schnittflächen der Hemisphären feuchter 3 h. p. m. Coma. Krampfhafte Flexion der hintern Extre­ als normal und wenig Blutpunkte zeigend. Der der Blase ent­ mitäten , die vordem beweglich. Speichelfluss. Pupillen eng, nommene Harn enthält reichliche Mengen von Eiweiss. Nickhaut normal. 3 34 35 Versuch IX, am 18. Octbr. Mehrjähriger Hund von 13940 Grmm. gemäss. Der Rumpf wird aber nicht in gerader Linie gehalten, P. 140. R. 20. sondern nach rechts gekrümmt, und wenn das Thier geht, ge­ 10 h. 30'. Injection von §j Wasser von Blutwärme in die schieht es in Art der Manegebewegung, nach rechts gerichtet. Carotis, unter Anwendung eines sehr starken Druckes. Im Mo­ Nahrung wird begierig aufgenommen. ment der Injection fibrilläre Muskelzuckungen, es fehlt aber die 21 — 23. Octbr. Das Thier hat sich sichtlich erholt, und Unruhe, das Aufheulen, das sonst in allen Fällen bei der In­ bietet kaum noch eine Abweichung vom normalen Zustande dar. jection beobachtet wurde. P. 200, unregelmässig, R. 12. 10 h. 33' desgl. Während der Injection nichts bemerkbar. 10 h. 38'. desgl. Das Thier wird apathischer. P. 160, unregelmässig, R. 12. 10 h. 45 desgl. \ jm Jioment der Injection nichts bemerkbar. Die III. Folgerungen. 10 h. 47' desgl. > Apathie nimmt zu. Die Pupillen massig weit. 10 h. 48' desgl. ) Kein Speichelfluss. 10 h. 51'. Injection von gij Wasser. Das Thier noch völ­ asse ich die Resultate meiner Versuche kurz zusam­ lig bei Besinnung. men , so sind es folgende : 10 h. 58' desgl. Grosse Apathie. Von Zeit zu Zeit Frost­ Im Moment der Injection stellte sich in allen Versuchen zittern. P. 180, R. 16. grosse Unruhe des Thieres ein; dasselbe bewegte sich heftig, 11 h. 10' desgl. Im Moment der Injection Schlingbewe­ heulte auf, häufig waren auch Schlingbewegungen vorhanden. gungen und geringes Heulen. Hiebei zeigte es sich, dass bei Anwendung eines stärkern 11 h. 15'. Schliessung der Wunde. Das Thier bei Besin­ Druckes zu der Injection diese Erscheinungen auch stärker nung, geht, obgleich schwankend, umher. Es lässt einige Un­ ausgesprochen waren (Vers. VIII). In Vers. IX fehlten sie in­ zen eiweissfreien Harns. dessen auffallender Weise fast ganz, trotz Anwendung eines 5 h. p. m. Das Thier von den heftigsten Krämpfen hin- möglichst starken Druckes der Hand. und hergeworfen: klonische Krämpfe der Extremitäten, am Ferner zeigten sich im Moment der Injection fibrilläre Rumpfe bald Emprosthotonus, bald Pleurothotonus. Der Athem Zuckungen der Muskeln des Kopfes. Dieselben waren dabei sehr frequent. In den nur kurzen Pausen zwischen den am stärksten bei Einführung der ersten Wassermenge, wurden Anfällen P. 150, R. 20. Tiefes Coma. während der folgenden Injectionen geringerund blieben schliess­ 19. Octbr. Das Thier liegt ruhig auf seinem Lager zu­ lich ganz aus (Vers. III). Auch wurden sie in fünf Versuchen sammengekauert, die Extremitäten angezogen, und ist bei Be­ (Vers. II, IV, V, VII, VIII) garnicht beobachtet. sinnung. Setzt man es auf die Füsse, so kann es sich nicht Weiter stellte sich bei fünf Versuchen (Vers. IV — VIII), aufrecht erhalten, sondern fällt zu Boden. Es nimmt Milch zu aber nur bei Injection warmen Wassers, starker Speichel­ sich. P. 80, R. 12. fluss ein. 20. Octbr. Das Thier ist im Stande sich aufzurichten und Bei vier Versuchen (Vers. IV—VII) wurden eigentümliche zu gehen. Es gebraucht dabei die Extremitäten ganz ordnungs- Zuckungen der Muskeln des ganzen Körpers beobachtet; diesel­ 36 37 ben ähnelten dem Frostzittern. Zweimal (Vers. IV, V) wurde häufig die Frequenz des Pulses stieg, während die der Respi­ dieses Zittern bei jeder Inspiration stärker. ration abnahm (Vers. I, IX). D er Harn wurde in allen Fällen bis auf einen (Vers. Die Temperatur (im Mastdarm) wurde in 3 Versuchen VIII) während einer selbst mehrstündigen Dauer des Versuchs (Vers. II, IV, V) beobachtet, veränderte sich aber während der nicht gelassen. Auch bis zum andern Tage, wo in den meisten Injectionen nicht. Die Steigerung derselben in den folgenden Fällen die Tödtung des Thieres erfolgte, fand eine Harnentlee­ Tagen im Vers. V ist wol auf Rechnung des Wundfiebers zu rung nicht statt. Der Harn konnte in sechs Fällen unmittelbar schieben. nach Tödtung der Thiere aus der Blase erhalten und genauer In allen Fällen stellte sich schon nach der ersten Injection untersucht werden ; nur zweimal zeigte sich Eiweiss in dem­ eine auffallende Apathie ein und steigerte sich bei den fol­ selben (Vers. III, VIII), am ausgesprochensten in Vers. III, genden Wasserzufuhren. Die vorher sehr muntern und lebhaf­ wo die Krämpfe sehr stark gewesen waren ; ebendaselbst fan­ ten, ja oft nur mit Mühe zu bändigenden Thiere wurden sofort den sich auch reichlich Faserstoffcylinder im Harn. Zweimal, still und ruhig, machten auch nach Entfernung aller Fesseln wo der Harn auch auf seine weiteren Bestandtheile untersucht kaum einen Versuch sich aus der liegenden Stellung zu erhe­ wurde (Vers. IV, V), fanden sich Spuren von Gallenfarbstoff, ben ; die Augen erhielten, namentlich bei zugleich gelähmter aber keine Gallensäuren. Nickhaut, einen schlaftrunkenen Ausdruck. Zweimal (Vers. II, V) stellte sich im Lauf des Versuchs Schliesslich kam es überall (mit Ausnahme von Vers. IX) Erbrechen ein. zu völligem Coma und zu Krämpfen. In allen Versuchen Das Verhalten der Pupillen war wechselnd: dreimal handelte es sich um einen tonischen Krampf sowohl der Na­ (Vers. II, V, VI) wurden sie nach der Injection enger, die cken- und Rumpfmuskeln, in Form des Opisthotonus (im Vers. übrigen sechsmal weiter. Bei Vers. VII wurden sie, nachdem IV mehr Emprosthotonus), als auch der Extremitätenmuskeln. sie zuerst erweitert waren, gegen Ende des Versuchs enger. Von diesen wurden in einigen Fällen (Vers. I) die vordem Ex­ Die Nickhaut war iü fünf Versuchen (Vers. II—V, VII) tremitäten früher befallen, als die hintern 5 in einigen Fällen gelähmt. (Vers. III, VII) schwand auch der Krampfzustand zuerst an Der Puls zeigte ein äusserst wechselndes Verhalten : drei­ den vordem, dann an den hintern Extremitäten. Meist waren mal (Vers. II, VI, VII) veränderte er sich nach den Injectionen während des tonischen Krampfes die vordem Extremitäten ge­ garnicht, dreimal (Vers. III, IV, VIII) wurde er langsamer, streckt, die hintern gebeugt, zuweilen auch alle gebeugt (Vers. dreimal frequenter. Dagegen war eine unregelmässige Folge IV, VII) oder gestreckt (Vers. I). Dieser tonische Krampfzu­ der Pulswellen, so dass die Frequenz derselben bald grösser stand wurde theils ohne nachweisbaren äussern Anlass, theils bald geringer war, auch ein Paar Schläge ganz ausfielen, eine nach Berührung der Haut des Thieres von klonischen Krämpfen ganz ausnahmslose Erscheinung. unterbrochen (in Vers. II, III, V, VII, IX). Während dieser Ebenso wechselnd verhielt sich die Respirationsfre­ wurde der Kopf theils seitlich, theils nach hinten gezogen, die quenz : viermal (Vers. II, III, VI, VII) veränderte sie sich Extremitäten hin- und hergeworfen. In Vers. III kam es auch garnicht, viermal (Vers. I, IV, VIII, IX) wurde sie geringer, zu einem Krampf der Kaumuskeln, in Vers. V zu Zuckungen einmal (Vers. V) bedeutend grösser. Dabei zeigte es sich, dass der Lippen und Lidmuskeln. Auch die Respirationsmuskeln 38 39 betheiligten sich an diesen Krämpfen. In Vers. III und V stand angestellte Wägung des Thieres darthat, ganz wohl von Statten die Respiration momentan ganz still, in den übrigen war die gegangen war. Exspiration wegen krampfhafter Verengerung der Glottis pfei­ Die Section wies in allen Fällen Anämie und Oedem fend, ja heulend. Vers. IX bietet insofern eine Ausnahme, als des Gehirns nach. Erstere war recht auffallend ausgesprochen, es während der Wasserinjectionen und unmittelbar nach den­ nicht so in allen Fällen die letztere. — Die Nieren boten in selben weder zu Coma noch zu Convulsionen kam ; am Nach­ Vers. III das Bild einer hochgradigen Hyperämie dar. In den mittag stellten sie sich aber, und zwar äusserst heftig ein. übrigen Fällen war dieselbe bei Weitem nicht so ausgesprochen. In drei Versuchen (Vers. II, III, VIII) stellte sich nach In Vers. III zeigten sich auch die Harnkanälchen angefüllt mit den Injectionen ein Zustand vermehrter Reflexerregbar­ Faserstoffcylindern. keit ein, so dass die Thiere bei jeder Berührung, ja sogar bei der durch Annäherung einer Person bedingten Erschütterung des Bodens nicht bloss einmal zusammenfuhren, sondern sich Vergleiche ich die Resultate meiner Versuche mit denen sogar anhaltende Krämpfe einstellten. der Münk'sehen Experimente, so muss zunächst bedauert wer­ Sehr wechselnd war die Wassermenge, deren es be­ den , dass letzterer über das Detail des von ihm beobachteten durfte, um die charakterislischen Krampferscheinungen zu be­ Verfahrens sich so wenig ausspricht. Weder bemerkt er, ob wirken. In Vers. V stellten sie sich schon nach Injection von in jedem Falle nach der Injection von Wasser sich Coma und Wasser ein, in Vers. I nach §j, in Vers. VIII nach Sij, in Convulsionen einstellen, noch erwähnt er die Wassermenge, den übrigen Versuchen (mit Ausnahme von Vers. IX) nach deren er zur Erzeugung derselben bedurfte, noch auch den giv — gv/?. In Vers. IX wurde sogar die Injection von §xij Druck, unter dem die Injection geschah. Mir gelang es in allen Wasser relativ gut vertragen. Fällen, die Thiere comatös zu machen; Convulsionen erzeugte In den beiden ersten Fällen überlebten die Thiere die ich in 5 Fällen, in den übrigen 4 Fällen einen tonischen Con- Wasserinjection nicht lange, in andern Versuchen wurden sie tractionszustand der Muskeln. Immer war das Bild ein äusserst getödtet, sobald die Erscheinungen eine gewisse Höhe erreicht frappantes und bewies hinlänglich, dass die Injection von hatten, um den Wassergehalt des Gehirns und die Blutgase Wasser in die Carotiden gegen das Gehirn hin wol fähig ist, näher zu prüfen. In Vers. IX erholte sich das Thier zwar bald letzteres auf's Aeusserste zu alteriren. nach den Injectionen, dennoch blieb auch hier einige Tage lang Münk leitet die charakteristischen Krampferscheinungen eine unverkennbare Störung der Gehirnfunctionen nach. Weit nach der Wasserinjection von Gehirnödem und consecutiver ausgesprochener war dieselbe in Vers. V. Hier hielt der co- Gehirnanämie ab. Auch ich konnte das bestätigen. Namentlich matöse Zustand noch 5 Tage nach der Wasserinjection an; war die Gehirnanämie recht deutlich ausgesprochen. Nicht so später kam das Thier allerdings wieder einigerinassen zur Be­ das Gehirnödem. Dieses war in einigen Fällen, soweit der sinnung und erholte sich allmählich ; seine psychischen Kräfte Gesichtssinn allein zur Beurtheilung benutzt werden konnte, schienen aber in Folge der Injectionen bleibend gelitten zu ha­ nur in geringem Grade vorhanden. Um sicherer zu gehen, ben, da in drei Wochen eine Restitution derselben nicht eintrat, bestimmte ich daher den Wassergehalt des Gehirns der Thiere, obgleich die Ernährung, wie eine unmittelbar vor dem Tode welche der Wasserinjection ausgesetzt worden waren, durch 40 41 24-stündiges Eintrocknen im Luftbade bei 120° C., und verglich 3,2 % wasserreicher geworden, die peripherischen Nerven unver­ ihn mit dem des normalen Hundegehirns. ändert geblieben. Es war also allerdings das Gehirn durch Procentgehalt des ödemat. Gehirns an Wasser. die Wasserinjection ödematös geworden. Auffallend ist nur, dass die graue und weisse Substanz nicht gleichmässig an Nr. d.Vers. Graue S. Weisse S. med. obl. n. ischiad. Wassergehalt zugenommen hatten, um so auffallender, als der VI. 81,3 71.6 74,5 70,6 VII. 84,1 79.7 78,9 65,6 grössere Gefässreichthum der grauen Substanz im Vergleich zu VIIL 86,7 82,6 77,8 64,3 der weissen, gerade in jener ein reichlicheres Austreten von Mittel 84,0 77,9 77,0 66.8 Wasser erwarten lassen musste. Eine Erklärung für diese Erscheinung könnte vielleicht darin gesucht werden, dass es bei Procentgehalt des normalen Gehirns an Wasser. der innigen Durchflechtung beider Substanzen im Gehirn der Nr. d.Vers. Graue{S. Weisse S. med. obl. n. ischiad. präparirenden Hand kaum möglich ist, sie gründlich von ein­ A 81,0 67,3 *)U: — — ander zu trennen. Dieses ist um so weniger thunlich, je rascher 82,3 66,7 die ganze Operation gemacht werden muss, um die Verdunstung 81,8 b , 74,3 74,0 70,3 )J2: 82,1 74,7 73,6 65,3 von Wasser vor der ersten Wägung möglichst zu beschränken. Namentlich an der grauen Substanz bleiben immer einige Mittel 81,8 70,7 73,8 67,8 Streifen weisser Masse von den Hirnwindungen hängen und es Anmerkung. Die graue Substanz wurde, nach Entfer­ kommen nun beide zusammen in's Luftbad. Hiedurch muss nung der Pia mater, durch flache Messerschnitte von der aber, bei dem verschiedenen Wassergehalt beider Substanzen Oberfläche der grossen Hemisphären gewonnen, die weisse Substanz von der Decke der Seitenventrikel. Von der me- (der der grauen ist 11 % grösser, als der der weissen) die dulla oblongata wurde jedesmal ein die ganze Dicke dersel­ Procentzahl für den Wassergehalt der grauen Substanz herab­ ben betreffender, etwa 2 Mm. breiter Querschnitt genommen, gedrückt werden. Bei der weissen Substanz kommen ähnliche aus dem Niveau des Ursprungs des n. vagus. Den Wasser­ Uebelstände in weit geringerem Masse vor, doch mag auch bei gehalt des n. ischiadicus prüfte ich, um auch auf diesem ihr der Wassergehalt durch anhängende graue Substanz gestei­ Wege die Ueberzeugung zu befestigen, dass die Injection gert worden sein. Die auch nur geringe Vermehrung des gegen das Gehirn die peripherischen Nerven, namentlich die­ jenigen spinalen Ursprungs, nicht alterire, und dass die Wassergehalts der medulla oblongata dürfte sich wol aus dem Krämpfe des Rumpfes und der Extremitäten nicht von einer Wege der Blutzufuhr zu derselben erklären lassen. Die grossen Veränderung der peripherischen Nerven, sondern nur der Hemisphären werden vorherrschend durch die Carotiden, die Centraltheile abzuleiten sind. medulla oblongata durch die art. vertebrales mit Blut versorgt; Ich fand durch dieses Verfahren eine Wasserzunahme des es wird daher auch bei der Injection des Wassers in die Carotis Gehirns, welche für die graue Gehirnsubstanz 2,2 X, für die letzteres zum grösseren Theile in die grossen Hemisphären weisse 7,2 X betrug. Auch die medulla oblongata war um gelangen. Wenn dennoch auch die medulla oblongata an Wasser reicher geworden ist, so ist das der Anastomose beider *) Die unter A angeführten Analysen sind von Hauff und Waith er Arteriengebiete vermittelst des circulus arteriosus Willisii zuzu­ (Ann. Ch. Pharm. LXXXY, 42) gemacht, die unter B von mir selbst. schreiben. Die peripherischen Nerven hatten, trotz reichlicher 42 43 Wasserzufuhr, kein Wasser aufgenommen, zum Beweise dafür, eines möglichst geringen Drucks (Vers. VI, VII) sogar nach dass eine Verdünnung des Blutes allein und für sich wenig Injection von giv die Folgen der Injectionen noch nicht so aus­ dazu geeignet ist, die Nervenmasse wasserreicher zu machen. gesprochen waren, wie in den ersten Fällen. Je grösser der Es muss eben als zweites Moment eine vermehrte Spannung Druck ist, unter dem das Wasser in den Gehirn gefässen circu- des Aortensystems hinzukommen, d. h. die Injection muss unter lirt, desto rascher muss auch die Transsudation desselben einem grösseren Drucke geschehen, als der normale Seiten­ in die Gehirnsubstanz erfolgen. Dennoch können durch die druck in den Gefässen beträgt. Ist letzteres der Fall, strömt Verschiedenheit des Drucks allein diese Differenzen nicht erklärt also das Wasser unter einem grössern Druck in den Gefässen werden. In Vers. IX wurde ein sehr starker Druck angewendet des Gehirns, so ist dadurch die Bedingung gegeben zur Trans- und die Injection oft wiederholt, und dennoch blieb das Thier sudation von Wasser in das Gehirn hinein und es entsteht während des Versuchs selbst ziemlich unverändert. Möglicher­ Gehirnödem ; das ausgetretene Wasser comprimirt die Capillaren, weise ist hier auch das Alter und die Grösse des Thieres von die nothwendige Folge wird daher Gehirnanämie sein, und in Wichtigkeit. Bei zunehmendem Alter werden die Gehirnge- diesen beiden Zuständen liegt die Erklärung für die Erschei­ fässe resistenter und dadurch weniger geneigt, Wasser durch nungen nach Injection von Wasser in die Carotis. ihre Wandungen hindurchzulassen. Eine fernere Frage ist die, worin der Grund für die so Ich glaube hiemit und zwar in positiver Weise den Be­ grossen Differenzen in der Wassermenge liegt, deren ich be­ weis geführt zu haben, dass nur der grosse Druck, unter dem durfte, um das Coma und die Convulsionen zu erzeugen. Ich das Wasser dem Gehirn zuströmt, letzteres in den Zustand glaube, dass derselbe in der Druckverschiedenheit zu suchen versetzt, der dazu nöthig ist, um das Coma u. s. w. zu bewir­ ist, mit der die Injection geschah. Vorausgeschickt muss wer­ ken. Es'kann aber der gleiche Beweis auch in negativerWeise den, dass ich mich, indem ich die Canüle der Iujectionsspritze geführt werden. mit einem mit Iig gefüllten Manometer in Verbindung brachte, Es wäre nämlich denkbar, dass die Injection von Wasser davon überzeugte, dass in allen Fällen der Druck, der dazu in die Carotis nur eine Verdünnung des Blutes zu Wege ge­ nöthig ist, um überhaupt die Injection zu ermöglichen, grösser bracht hätte* und dass in Folge dieser Verdünnung Gehirnödem ist als der normale Seitendruck des Blutes in der Carotis. und Gehirnanämie und die davon abzuleitenden Erscheinungen Letzterer kann bei einem Hunde von mittlerer Grösse auf eingetreten wären. In diesem Falle wäre es ganz gleichgiltig 150 Mm. Hg angenommen werden; der Injectionsdruck betrug gewesen , ob ich die Carotis oder Vena jugularis zur Injection aber in jedem Falle mehr. Schon bei dem leichtesten Druck, gewählt hätte; mit anderen Worten, bei Injection von Wasser der erforderlich war, das Wasser in die Arterie einzutreiben, in eine Vene zum Herzen hin hätten dieselben Erscheinungen stieg der manometrische Druck auf 180 Mm. Hg; bei stärkerem eintreten müssen, wie bei Injection in eine Arterie zum Gehirn Impulse ging er über 240 Mm., die äusserste in dem von mit­ hin. Ich fand aber, dass bei einem Hunde von c. 15 Kilo­ benutzten Apparate messbare Grenze, hinaus. Ich fand nun, gramm Gewicht ein Pfund Wasser in eine Vena jugularis zum dass bei Anwendung eines möglichst starken Druckes (in Vers. Herzen hin injicirt werden konnte, ohne das Thier in irgend V, VIII) die charakteristischen Erscheinungen schon nach Injec­ auffallender Weise zu afficiren. In Vers. IX wurde allerdings tion von §ij, ja von §ß eintraten, während bei Anwendung dieselbe Wassermenge in die Carotis injicirt, ohne sofort die 46 47 ration glaube ich herleiten zu dürfen von den Veränderungen mehrten Drucks in der Carotis zu erklären ist. Das Schwie­ der Innervation von Seiten des ödematösen Gehirns. Die Un- rige bleibt nur, die unerlässliche Steigerung des Aortendrucks gleichmässigkeit dieser Erscheinungen — bald Pupillenerweiter­ genügend zu begründen. Das Aufhören reichlicher Schweisse, ung, bald Pupillenverengerung; Verlangsainung des Pulses und Herzhypertrophien, auf welche Rosenstein aufmerksam macht, der Respiration einmal, Frequenterwerden beider das andere finden sich bei Eclamptischen nicht; die Einwirkung der Koh­ Mal ; frequenter Puls neben verminderter Respirationsfrequenz; lensäure auf's Herz ist, wie Hecker ganz richtig anführt, un­ das häufige Auftreten der Schlingbewegungen und des Speichel­ verständlich. Es bleibt also nur der Einfluss des Gebärakts flusses, das ebenso häufige Fehlen beider — kann auch nicht und der Wehen übrig, während der Schwangerschaft wol auch auffallen. Nach den neuesten Erfahrungen über die in der me­ der Druck der, namentlich bei Erstgeschwängerten, sehr ge­ dulla oblongata eingebetteten Centraiorgane für die Herz- und spannten Bauchwandungen auf die Aorta; im Wochenbett end­ die Respirationsbewegung, die bald in Hemmungswirkung, bald in lich der Einfluss der Nachwehen. gesteigerter Action sich aussprechen, sowie in Berücksichtigung Ich kann endlich nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass der Thatsache, dass auch die Schlingbewegungen und der mit der oben angeführte Vers. III benutzt werden kann, den Aus­ der Speichelabsonderung in nächster Beziehung stehende Facial- spruch zu erhärten, dass wirklich allein in Folge von Convul­ nerv in der medulla oblongata ihre Centren haben, — wird sionen Eiweiss und Faserstoffcylinder im Harne auftreten kön­ die nachgewiesene Vermehrung des Wassergehalts auch dieses nen. Es waren in diesem Falle die Convulsionen stärker aus­ Hirntheils, die bald mehr die eine, bald die andere Parthie gesprochen als in den übrigen Versuchen und bei der Section desselben betreffen mag, unbedenklich zur Erklärung jener In- fanden sich die Zeichen einer bedeutenden Nierenhyperämie, constanz der Erscheinungen benutzt werden dürfen. welche ebenfalls bei den andern Versuchen fehlten. Hier hatte Um aber schliesslich auf die Frage nach der Genese der also die durch die Convulsionen gesetzte Nierenstauung genügt, Eclampsie zurückzukommen, so glaube ich mich für Roseil­ um Albuminurie und Faserstoffcylinder im Harn zu bewirken. st ein's Ansicht aussprechen zu müssen. Es gelingt experimen­ Es reiht sich demnach dieser Versuch an den oben erwähnten tell, durch Steigerung der Spannung in der Carotis und durch Dohm'sehen Fall an. In ähnlicher Weise kann vielleicht auch Zuführung eines sehr verdünnten Bluts zum Gehirn Coma und die Albuminurie erklärt werden, die in den letzten Monaten Krämpfe zu erzeugen. Bei Eclamptischen findet sich nun no­ der Schwangerschaft eintritt. Namentlich bei Erstgeschwänger­ torisch ein sehr diluirtes Blut; eine Steigerung der Spannung ten kann der Druck von Seiten der durch den Uterus gespann­ in der Aorta, also auch in der Carotis, wird bis jetzt allerdings ten, an und für sich aber wenig nachgiebigen Bauchwandungen nur angenommen, indem es an Mitteln fehlt, diese Verhältnisse auf die Nierenvenen so bedeutend werden, dass es zu Nieren­ ohne operative Eingriffe sicher kennen zu lernen. Da es aber stauung und in Folge deren zu Ausscheidung von Eiweiss und im Experimente gelingt durch Versetzung des Gehirns unter Faserstoffcylindern im Harn kommt. Es wird hiemit die im­ derartige Verhältnisse eclamptiforme Zustände zu erzielen, so merhin gesuchte Annahme einer katarrhalischen Entzündung scheint auch obige Annahme eine berechtigte zu sein, um so der Harnwege und die grundlose Hypothese eines vorhandenen mehr, als bei Eclamptischen ebenfalls Gehirnödem angetroffen Morbus Brightii, von welchen Litzmann spricht, ganz vermie­ wird, dessen Entstehung doch nur durch Annahme eines ver- den. Dagegen ist zuzugestehen, dass die Albuminurie ihrerseits 48 die während der Schwangerschaft schon vorhandene seröse Blut­ beschaffenheit noch grösser macht, und wenn nun eine vermehrte Spannung im Aortensystem in den letzten Monaten schon vor­ handen war, oder während der Geburt oder im Wochenbett hinzutritt, so sind die beiden Bedingungen zur Entstehung der Eclampsie gegeben. Die Scan zoni'sche Ansicht von der Genese der Eclampsie lässt sich einfach durch den pag. 43 angeführten Versuch zu­ rückweisen, in dem bei einem Hunde das Blut durch Injection von Wasser in die Vena jugularis um etwa Va seiner Menge verdünnt wurde und dennoch das Thier ganz munter blieb. Nach Scanzoni hätte eine solche Verdünnung die Reflexerreg­ barkeit des Gehirns und Rückenmarks so steigern müssen, dass jeder Reiz Krämpfe auslöste. Diese Folge trat aber keineswegs ein, und überdiess musste auf diesem Wege das bei der Eclampsie stets vorhandene Coma ebenfalls unerklärt bleiben. T h e s e n . 1) Die Albuminurie bei Eclamptischen hat mit Morbus Brightii nichts zu thun ; sie ist lediglich Folge von Stauung in den Nierenvenen. 2) Aderlässe bei Eclamptischen lassen sich auch durch theo­ retische Gründe rechtfertigen. 3) Die Exstirpation oder Incision von Ganglien, die mit den Sehnenscheiden in Verbindung stehen, ist stets zu un­ terlassen. 4) Die Unterlassung der Perforation am lebenden Kinde kann unter Umständen als Kunstfehler betrachtet werden. 5) Congestionsabscesse dürfen nicht geöffnet werden. 6) Der tägliche Genuss mässiger Quantitäten Alkohols ist empfehlensw erth. 7) Ehen zwischen Verwandten zweiten Grades gefährden die körperliche und geistige Gesundheit der Nachkommen­ schaft.